700 Jahre Tonenburg

Die Tonenburg – das „Castrum Tonenburg“ - wurde als mittelalterliche Verteidigungsanlage vom Corveyer Abt Rupert v. Horhusen im Jahre 1315 gebaut. Ein vorreformatorischer Bau, der als Flucht- und Fliehburg zum Überleben für Äbte, Mönche und Bevölkerung gleichermaßen diente und deshalb „niemals verkauft, versetzt, verthan, vertauscht oder sonst wie in andere Hände gelangen sollte.“ [Sagebiel]

Bisher glaubte man, nur die mächtigen Nachbarn wie die Grafen von Everstein und die Braunschweiger Herzöge seien die ärgsten Gegner des Abtes von Corvey gewesen.
Erst in der von der Volksbank herausgegebenen „Heimatkundlichen Schriftenreihe“ von 2006 machte Dr. Rainer Decker in seinem Beitrag „Raubritter im Paderborner und Corveyer Land“ deutlich, dass die Tonenburg als Schutz- und Trutzburg von lebenswichtiger Bedeutung war; ein verzweifelter Versuch zur Selbsthilfe in der schlimmsten Periode des Raubritterwesens, im 14. Jahrhundert.

Die berüchtigten Mordbrennerbanden, wie die „Sichelgesellschaft“, der Falkner-Bund und der „Bengeler Bund“ - sie hießen so nach ihrem Bundeszeichen, einem silbernen keulenartigen Stabe, dem „Bengel“ – zogen brandschatzend, skrupellos und gewalttätig durchs Land, suchten zahlreiche Dörfer, wie Lichtenau, Borgentreich, Bankenrode etc., raubend und sengend heim und verwüsteten sie. Anführer der „Bengeler“ war der wegen seiner Freibeuter- und Fehdenzüge bekannte Friedrich von Padberg mit dem Hauptmann von Falkenberg, später auch ein Fehdenführer von Haxthausen, der Rabe von Canstein und von Waldeck, etc. Sie schreckten nicht davor zurück, auch Klöster und Kirchen zu plündern.

So verschonte man auch Corvey nicht: Abt Bodo wurde 1392 auf der Corveyer Burg Blankenau (zeitgleich mit der Tonenburg im Jahre 1315 als Schutz-Burg gebaut) gefangen genommen und ein Lösegeld erpresst [Dr. Decker].

Da wundert es nicht, dass der Abt und die Stadt Höxter schon am 17.3.1332 einen Vertrag schließen, in dem es heißt: „die Toneborch soll für Rat und Gemeinschaft als offenes Schloß zur Verfügung stehen“ („tho alle oreme behove und to alle oren noden“) [Sagebiel]

Am 12. Januar 1349 verlieh Kaiser Karl IV Abt Dietrich von Dalwigh das Recht, an der Tonenburg einen Freistuhl zu errichten, zur „Ausrottung der Verbrechen der Bösen, an dem sie diesem Gerichte, welches „Freyding oder Femeding“ genannt wird, vorsitzen können.“ [Sagebiel]

Gegenseitig Schutz versprochen wird in einer Urkunde vom 31. Dez. 1371 (an sinte Silvesterdage des hilligen parverses): Auf Ersuchen des Stiftes trat Abt Bodo von Pyrmont dem großen westfälischen Bündnisse von 1385 durch seine Unterschrift bei. [Sagebiel]

Zur Zeit der „Höxterschen Rebellion“ 1603  residierte Abt Theodor von Beringhausen – aus Sicherheitsgründen – auf der Tonenburg. Seine Briefe vom 19. November 1602 und vom 2. Januar 1603 an den Kaiserlichen Commissar Fürstbischof Dietrich von Füstenberg in Paderborn, die eine Intervention des Landgrafen Moritz von Hessen und das „Pönal-Mandat“ Kaiser Rudolf II wider die Stadt Höxter betreffen, sind von der Tonenburg datiert. [Keller Gegenreformation II 671 / Nr. 569 u. 673 Nr. 572]

„Es war auf der Tonenburg, wo Abt Theodor von Beringhausen 1603 die hessische 
Delegation (Otto von Starschedel of Rödern und Walrad von Boeneburch) in
Angelegenheiten der „Höxterschen Rebellion „vorn Thor abgewiesen“ und nicht  empfangen hat.“ [Cor. Acta Arch. IV, 1 / Sagebiel]

1756 - 1763
 Mitten im 7-jährigen Krieg ereignet sich ein Stück Weltgeschichte auf der Tonenburg.
Im Heere des Herzogs Ferdinand von Braunschweig unter Preußischer Fahne berichtet 1757 ein Leutnant Heinrich Urban von Cleve in seinem Kriegstagebuch ein Stück Weltgeschichte aus dem Siebenjährigen Krieg: 
„Am 18. August 1761 war das Hauptquartier des Preußen-General von Spörcken die Tonenburg, als dieser die Absichten des Franzosen Generals Broglie auf Hameln und Hannover zu marschieren (1714-1834 war der König von England in Personalunion zugleich König von Hannover), vereitelt hatte.
“
Damit war der Feldzug des Jahres 1761 in der Hauptsache entschieden.“

Kloster Corvey und die Tonenburg

Die Reichsabtei Corvey, zu welcher ab 1315 die Tonenburg als Zufluchtsort für Corvey gehörte, soll wegen seiner herausragenden kulturellen Wichtigkeit von der UNESCO zum Weltkulturerbe erhoben werden.

Die Geschichte Corvey's

Die Geschichte Corvey's beginnt im Winter des Jahres 797, als Karl der Große in Herstelle - im "Heristallum-Saxonicum" - das Weihnachtsfest feierte, von wo aus er hinüber in den Solling blickte, wo ein Kloster - das erste im Sachsenland - entstehen sollte. Es wurde schließlich von Ludwig dem Frommen (seinem Sohn) im Jahre 822 als Benediktiner Kloster in die Weseraue verlegt.

Nach besonderem Wunsche Karls des Großen wurde von Ludwig dem Frommen (sein Sohn) inmitten des Sachsenlandes im Jahre 822 das erste Benediktiner-Kloster angesiedelt.
Dieser ersten Klostergründung - das "Corbeia Nova" - sollten noch viele Klöster im Norden (Dänemark, Schweden) und im Osten (Böhmen) folgen.
Diese Klöster waren Zentren religiös-geistiger Bildung, aber auch wirtschaftlich-technischer Kultur. Sie sollten sowohl die Errungenschaften der antiken Zivilisation (Rechtsstaatlichkeit, Freiheit, Humanität), als auch dem werdenden Europa - politisch dem vergrößerten Frankreich Karls des Großen - den christlichen Glauben vermitteln.
Dieses Mutterkloster im Sachsenlande - das heutige Corvey an der Weser - war also nicht nur Ausgangspunkt aller neuer Kultur im Norden Europas, sondern auch ein authentischer Ort monastischen klösterlichen Lebens. Dem in Corvey weilenden Dänenkönig Harald wurde im Jahre 826 der Corveyer Mönch Ansgar attachiert, der dann die erste berühmte Klosterschule im Norden errichtete.

Viele skandinavische Gäste suchen seither hier in Corvey und auf der Tonenburg ihre kulturellen Wurzeln. So wird die alte Achse Corvey - Dänemark wieder neu belebt: Aus Maribu (Dänemark) brachte ein Däne sogar einen besonderen Backstein einer alten Kloster-Ruine (12. Jahrh.) mit, der jetzt am Brunnen im Burghof der Tonenburg eingemauert wurde.

Ältestestes bewohntes Gebäude

Die 1315 von dem Corveyer Abt Rupert von Horhusen als "Castrum Tonenburg" erbaute Burg über der Weser bei Albaxen ist weit und breit das älteste, wieder bewohnte Gebäude.

Die Tonenburg ist damit um 50 Jahre älter als das 1365 erbaute Steinhaus in der Stummrigestraße in Höxter, das lange Zeit als ältestes, bewohntes Gebäude galt.

In allen Kriegszeiten diente die Burg mit ihren 2,25 Meter dicken Mauern den Corveyer Äbten als Rückzugs-, Flucht- und Schutzburg.
Umfangreiche Neuerungen fanden in der Barockzeit statt. Im Jahre 1708 wurden der an den Wohnturm angrenzende Fachwerktrakt und die große Roggenscheuer errichtet. Wenige Jahre später (1721) wurde auch der bis dahin nur über eine Leiter erreichbare, höher gelegene Eingang in Erdgeschosshöhe angelegt, so dass er seitdem bequem über eine barocke Freitreppe zu erreichen ist.

Luftaufnahme Mitte 20. Jahrhundert

Wie alles begann...

"Alle Freunde schwerer Maschinen, alle Elefantentreiber, alle liebevollen Veteranen-Pfleger, alle, die ein Reitpferd der Technik besitzen sind eingeladen zur Motorrad-Ranch in Brilon."

Wer hätte geahnt, dass mit dieser Anzeige 1975 in der Motorradzeitung von Norbert und Paula Pirone die abenteuerliche Idee eine eigene Herberge für Motorradfahrer zu schaffen – damals die erste ihrer Art überhaupt – ein ganz neuer Markt erschlossen wurde: die Motorradfahrer-Touristik, die heute noch boomt. Die Biker waren begeistert und kamen und kommen seither in Scharen.

1978 kauften Norbert und Paula Pirone die abbruchreife Villa Löwenherz in Lauenförde. Getragen vom sprichwörtlichen Familiengeist der Motorrad-Fahrer und der vier Kinder: Barbara, Stephan, Martha und Almuth, schafften es die Pirones, aus der Villa-Ruine eine internationale Begegnungsstätte für Motorradfahrer zu machen.

 

Als 1995 die Pirones die Villa Löwenherz ihren Kindern Martha und Stephan überließen, hatten die "Alten" längst neue Visionen.

Die agilen Eheleute krempelten die Ärmel hoch und – anstatt sich etwas Ruhe zu gönnen – kauften sie vom Herzog von Ratibor und Fürst zu Corvey die Burg-Anlage und erweckten die mittelalterliche Tonenburg wieder zu neuem Leben.

Vom noch gut erhaltenen, teilweise renovierten Wehrturm hat man einen wundervollen Ausblick in schier endlose Weiten: Albaxen, Stahle, Fürstenberg, Holzminden, im Kranz der Weserberge, am Horizont hinlaufend das Massiv des Sollings und des Ith, die Türme von Lüchtringen und Corvey - dieses Ineinandergreifen von Wasser und Land - sie schaffen ein unvergleichliches Panorama.

Seit ihrer Eröffnung 1998 hat sich die Tonenburg in Höxter-Albaxen an der Weser als beliebter Treffpunkt für Fahrrad-, Kanu- und Motorradfahrer, wie auch für Familien und Freizeit-Urlauber etabliert.

2003 war die Grundsteinlegung für einen "Memorial-Brunnen" auf dem Burghof. Die Tonenburg-Fans haben die Gelegenheit, ihrem Namen ein Denkmal zu setzen. Viele Gruppen, Vereine und Clubs aber auch Einzelgäste, Familien und Hochzeitspaare brachten schon beschriftete Steine aus ihrer Heimat mit, die beim alljährlichen Brunnenfest auf der historischen Tonenburg-Hofanlage eingemauert werden.

Besuchern bietet die Burg heute Besichtigungs- und Einkehrmöglichkeiten. Ein "Museum der Tonenburg" im Kellergewölbe gehört ebenso dazu, wie das Restaurant "Alte Brennerei" und ein Hotelbetrieb.
Das Ackerhaus von 1675 und der König-Harald-Saal (mit Kreuzgradgewölben und Kapitellen) haben sich zu beliebten Veranstaltungsorten gewandelt, in denen neben Kleinkunst-, Konzert- und Liederabenden auch "rauschende Feste" gefeiert werden.

 

Seit 01.03.2013 haben Paula und Norbert Pirone die Geschäfte an Gesine Kramer und Pete Mackenroth übergeben. Die beiden Unternehmer aus Hamburg führen die Burg unter neuer Flagge und mit frischem Konzept weiter.  Gesine Kramer, die gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Antje als Motorradtrainerinnen 15 Jahre in Hamburg unter dem Logo "sister-act" Motorradtrainings, Touren und Seminare rund um das Motorradfahren angeboten haben, bieten nun den Tonenburg BesucherInnen die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten mit und auf dem Motorrad zu verbessern.

Die Geschichte geht weiter...